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Die Geschichte der Baumwollgespinstfabrik

Auszug aus der Oberwaltersdorfer Chronik:


1819
Kauf des Grundstückes durch die Brüder Franz u. Michael Gradner sowie Franz Girardoni

1822

Fertigstellung des Fabriksgebäudes , Betrieb mit 27 Spinnmaschinen

1848

Hochkunjunktur, 253 Arbeitskräfte wurden beschäftigt

1866

Kauf der Spinnerei durch die Firma Josef Boschan u. Söhne

1897

Teile der Spinnerei fielen einem Brand zum Opfer

1898

gelangte die Fabrik in den Besitz der "Österreichischen Actien-Gesellschaft für Gummi-Industrie" (jedoch wurde niemals eine Gummiproduktion aufgenommen)

1905

erwarb die Firma A. Rudolph das Areal und richtete eine "Litzen-, Spitzen-, Besatz- und Bortenfabrik" ein.

1938

wurde das Eigentumsrecht dem Land Österreich einverleibt

1942

wurde der Textilbetrieb eingestellt und anstelle dessen die "Aero-Präzesionsteile-GesmbH eingerichtet, welche unter anderem auch Teile für die V2 Rakete herstellte.

1945

wurde der Betrieb stillgelegt und danach nie mehr aufgenommen

 

Baugeschichte

(Quelle: Manfred Wehdorn, Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich, Band 1, Wien 1984, Seite 200 f; Auszug):

Die aus St. Bernhard bei Horn gebürtigen Brüder Michael und Franz Gradner betrieben gemeinsam mit dem Mechaniker Anton Girardoni eine Spinnerei bei Wiener Neustadt und erwarben im Jahre 1818 einen Baugrund bei Oberwaltersdorf um eine größere und leistungsfähigere Fabrik zu gründen. Die maschinelle Einrichtung wurde aus Wiener Neustadt hierher übertragen und so konnte bereits 1819 der Betrieb in dem neu errichteten dreigeschossigen Fabriksgebäude aufgenommen werden. In unmittelbarer Nähe entstand auch eine kleine Wohnsiedlung für Arbeiter.

1836 gründete einer der beiden Brüder, Franz Gradner, mit Michael Schwarz eine eigene Baumwollspinnerei in Götzendorf an der Leitha; auch Anton Girandoni schied vermutlich 1846 wegen der Errichtung seiner Spinnerei in Günselsdorf aus. Michael Gradner führte das Unternehmen bis 1851 weiter.  Es ist nicht nachweisbar, wer die Firma in der Folge übernahm. Das heute bestehende Fabriksgebäude entstand im Jahr 1895; diese Jahreszahl ist auch auf dem Giebel des Kesselhauses zu finden. Ob damals schon A. Rudolph der Eigentümer der Anlage war, ist nicht bekannt. Aus diversen Eintragungen im Gemeindeamt geht hervor, dass die Textilfabrik A. Rudolph 1909 einen Färbereianbau und ein Jahr später ein neues zweistöckiges Arbeiterwohnhaus errichtete. 1921 wurden einzelne Wohnhäuser aufgestockt und die Betriebsanlage neuerlich erweitert.

Die Spinnerei und Weberei stand bis 1941 in Betrieb; im Zweiten Weltkrieg wurde das Werk zu einer Präzisionsschraubenfabrik umgestaltet, 1945 aber bereits stillgelegt. Nachher nützte die Rote Armee die Gebäude als Lager.

Wertanalyse: Die ehemalige Litzen- und Spitzenfabrik A. Rudolph zeigt noch weitgehend unverändert das charakteristische Ensemble einer Fabriksanlage mit Arbeiterwohnhäusern aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Die Bausubstanz ist aus technischer Sicht als gut erhalten zu bezeichnen und lässt Überlegungen für eine Wiederverwendung nicht nur wünschenswert, sondern auch erfolgversprechend erscheinen.

Auszug aus der Chronik Oberwaltersdorf „Auf den Spuren der Vergangenheit – Oberwaltersdorf Geschichte Landschaft Kultur – Helmut Frais:
Am 2. August 1818 wurde anlässlich des Kaufes  der „Gemeindeweide unterm Dorf, gegen Trumau, an dem linken Ufer des Triestingbaches und zwar von der Gartenecke des Joseph Wagner an im Flächenausmaß von 4 Joch und 948 Klafter“  folgendes vertraglich festgehalten: da die Käufer den Vorsatz haben auf diesem erkauften Grunde eine Spinnfabrik mit Wasserwerken zu errichten, so soll es ihnen zwar unbenommen bleiben, ihren Einlass- und Wasserkanal auf dem erkauften Grunde so wie es ihrem Bedürfnisse zusaget zu errichten, allenfalls auch eine Wasserwähr in dem Triestingbache zu bauen, doch soll dieses nur im Weege einer Commission durch Sachverständige dergestalt bestimmt werden, daß der Fluß nicht geschwellt und die Gemeinde der Gefahr einer größeren Uiberschwemmung ausgesetzt werde ….. Weil indessen bei großen Wassergiessen und Uiberschwemmungen der Triestingbach schon im oberen Theile des Dorfes auszutretten pflögt, wovon das Wasser zwischen den Häusern und Gärten strömt und auf dem Fahrtwege zwischen dem Hause des Joseph Wagner und dem Garten des Georg Weinmann über den erkauften Gemeindegrund und neben den Weingärten abläuft, so wurde vorläufig bedungen, daß die Herren Käufer einen Abzugsgraben an der Gemeindewiese und dem zu errichtenden Wasserkanale, und zwar 3 Schuh breit und 2 Schuh tief auf eigene Unkösten ausheben lassen müssen, um durch selben dieses Wasser in den Triestingbach abzuleiten. …..“

Ansichtskarte-1905


Weitere geschichtliche Angaben zur Fabrik und dem Arbeitsleben

(Quelle: Gerhard Stadler, Das industrielle Erbe Niederösterreichs, Wien 2006):

Mit dem Bau hatte man 1819 bis 1821 den Leobersdorfer Baumeister Anton Notthaft und den Trumauer Zimmermeister Joseph Biegler betraut.  Der Wert des fertiggestellten Fabriksgebäudes wurde im Sommer 1822 mit 40.000 Gulden beziffert, die insgesamt 27 Spinnmaschinen schätzte man auf 20.000 Gulden.

1828 zählte die Spinnerei 200 Arbeiter und Arbeiterinnen, die 31 Mule-Maschinen mit insgesamt 4.960 Spindeln zu bedienen hatten. Das Fabriksgebäude war dreigeschossig ausgeführt, die Beheizung der Spinnsäle erfolgte mittels Warmluftheizung. 1843 zählte die Spinnfabrik 170 Beschäftigte, darunter allein 140 Frauen und Kinder ab dem 12. Lebensjahr, oder, wie es hieß, nach vollendeten Schuljahren. Da die Kinder angeblich erst ab dem 12. Lebensjahr in den Betrieb aufgenommen wurden, sah die Fabriksleitung keinen Unterricht für sie vor.  Lesen und Schreiben, vor allem aber ein Leben nach christlichen Werten vermittelte der Pfarrer in der Kirche sowie in der Sonntagsschule. Bei einer täglichen Arbeitsverpflichtung  von etwa 13 Stunden wird man die Unterrichtseinheiten für die Jugendlichen insgesamt als wohl bescheiden bezeichnen müssen. Während das Gros der Kinder aus Oberwaltersdorf stammte und somit einen vergleichsweise kurzen Fußweg zur Arbeitsstätte zurückzulegen hatte, kamen die wenigen Fachkräfte oft aus weit entfernten Gebieten. Für sie waren bereits in den Anfangsjahren des Unternehmens Unterkünfte auf dem Fabriksgelände errichtet worden.

Die Arbeiterwohnhäuser wurden als einzeilige, zweigeschossige Gebäude mit Laubengangerschließung erbaut, als typisch biedermeierliche Pawlatschenhäuser. Auch hier waren Fabrik und Arbeitersiedlung räumlich und sozial vom Dorf separiert und wurden mit Mauern und Zäunen vom Ort abgetrennt.

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Zeitgeschichte:


Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wechselte die Spinnerei-Liegenschaft inklusive der angrenzenden Arbeiterwohnhäuser mehrfach ihre Besitzer. Schließlich kaufte Richard Pfaffstaller in mehreren Etappen in den Jahren 2000 bis 2008  das gesamte Areal von 3 verschiedenen Eigentümern.

In den Jahren zwischen 2002 und 2012 wurde das gesamte Fabriksgelände einer ersten behutsamen Grundsanierung unterzogen. Mehrere neue Dächer und die Mauersanierung mittels Durchschneideverfahren bewahrten die Liegenschaft vor dem drohenden Verfall. Der Schlot wurde saniert und kann somit auch künftig als weithin sichtbares Wahrzeichen der Alten Spinnerei den Besuchern den Weg weisen.



Die "Alte Spinnerei"

DAS IMMOBILIENPROJEKT IN OBERWALTERSDORF

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